Verrückter gehts wohl nicht? Kurzgeschichte

      Verrückter gehts wohl nicht? Kurzgeschichte

      Eine Kurzgeschichte aus meinem letzten Buch "Keine Zeit, um alt zu sein- Sterben kann ich später
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      Verrückter geht’s wohl nicht?
      Oh doch, es geht noch verrückter, das können Sie mir glauben! Wenn ich da die Bilder im Internet ansehe, dann bin ich eine blutige Anfängerin.Sie wissen nicht, was ich meine? Gleich kläre ich Sie auf. Es geht um Tattoos. Die gibt es ja nun schon seit Jahrtausenden. In Afrika und Südamerika tragen die Naturvölker seit jeher diese faszinierende Körperbemalung.In Europa und besonders in Deutschland tut man sich schwer damit.

      Man toleriert sie bei jungen Leuten, man sagt- die sind jung, die können sich das erlauben. Sie haben noch eine straffe Haut und überhaupt ist es ein Vorrecht der Jugend, in vieler Hinsicht aufzufallen.Die alten aber- die aus der nicht mehr arbeitenden Bevölkerung- sprich- die Rentner, die sollen das gefälligst lassen- die sollen mal lieber daran denken, wie alt sie sind.

      Als ich im Bekanntenkreis mein Vorhaben preisgab, sagte eine Dame zu mir: Verrückter geht es nicht. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie das aussieht, wenn deine Haut schrumpelig geworden ist? Nein, so etwas tue ich mir nicht an! Na, soll sie doch auch nicht, wer sagt, dass sie es mir nachmachen muss? Mein Tätowierer im Darkline- Studio und ich haben natürlich daran gedacht.

      Hanjo ist überhaupt ein besonderer Mensch und ein begnadeter Maler. Alle Wände seines Ateliers sind voll mit seinen Gemälden und Zeichnungen. Da er letztere auch als Vorlagen für seine Tattoos verwendet, ist jedes Detail millimetergenau zu erkennen. Bei einem Glas Prosecco-oder waren es zwei- suchten wir gemeinsam ein schönes Rosenrankenmotiv aus. Es wird auf meiner linken Schulter zu sehen sein und gefällt mir ausnehmend gut.Drei Stunden dauerte die Prozedur. Zuerst zeichnete er das Motiv vor und ich musste mein Okay geben.Dann machten wir erst einmal eine kleine Pause, in der wir uns angeregt unterhielten. Er erzählte von seinem bewegten Leben, vor allem von seiner Zeit in den USA, und ich von meiner Zeit, die ich in Berlin verbringe.

      Zu den Klängen von Hardrock zauberte Hanjo diese Rosenranke auf meine Schulter und als Zugabe verschönerte er dann auch noch das verblasste und damals nicht korrekt gestochene Omm- Tattoo an meiner rechten Fessel zu einem wunderschönen geschwungenen Etwas. Das sieht richtig gut aus! Natürlich ging das Ganze nicht ohne Schmerzen ab, Aber- wer schön sein will, muss auch leiden können. Und das konnte ich. Ich liebe mein neues Tattoo und bin stolz darauf, dass ich mir dieses Geschenk zu meinem 60. Geburtstag gemacht habe.


      Meine nächste Lesung ist am 22. Mai 2015 um 19 Uhr in Zeulenroda-Triebes in der Stadtbibliothek anlässlich der 3. Kulturnacht.